Problem von Laura - 15 Jahre

Ein ständiges Geben ohne Nehmen

Es ist schon lange so, dass ich meine gesamte Aufmerksamkeit einzelnen Personen widme und mich irgendwie abhängig von ihnen mache. Ich schieße dabei über Grenzen hinaus, schrecke nicht davor zurück mich gegen Familie oder Lehrer zu stellen, Regeln zu brechen oder schlechte Noten zu schreiben. Irgendwie würde ich so viel für eine Person tun, dass man das gar nicht mehr kompensieren kann. Das macht mich wahnsinnig, weil ich das Gefühl hab ausgenutzt zu werden, es aber genauso unmöglich ist eine Gegenleistung in dem Ausmaß zu erwarten. Ich wünschte mir, dass ich einfach weniger geben würde und lerne mich selbst zu schätzen. Es mag seltsam klingen, dass von sich selbst zu behaupten, aber ich hab eine harte Vergangenheit hinter mir, in der mir Tag für Tag gezeigt wurde wie egal meine Meinung anderen ist und dass mich keiner auf dieser Welt braucht. Es gab Zeiten, in denen mein eigenes Leben mir kaum mehr etwas bedeutet hatte. Seitdem sehe ich die Welt mit anderen Augen. Ich merke wie unwichtig viele Dinge sind. Sich über Noten zu freuen oder aufzuregen zum Beispiel. Das ist aber noch ziemlich harmlos. Ich schätze ich schrecke vor kaum etwas zurück, weil ich kaum etwas zu verlieren habe. Für einzelne Personen würde ich alles hinschmeißen und ich kann nicht erwarten, dass andere ihre Gesundheit oder sonst etwas riskieren nur um für jemanden wie mich da zu sein. Ich hab keinerlei Selbstvertrauen, vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich für andere so viel gebe. Was kann ich tun um mehr Selbstvertrauen zu kriegen, mich nicht so abhängig von einzelnen Personen mache oder um dieses miese Gefühl loszuwerden, dass ich anderen nicht so wichtig bin, wie sie mir?

Janine Anwort von Janine

Liebe Laura,

es ist sehr gut, dass du dein Problem erkannt hast.
Und das hast du auf jeden Fall. Deine Nachricht ist wirklich aussagekräftig.
Es ist toll wie du dich selbst reflektieren kannst!
Das können viele Erwachsene nicht einmal in diesem Maß.

Den ersten riesigen Schritt hast du bereits geschafft. Du hast anerkannt das du ein Problem hast.
Du hast auch erkannt wo dein Problem liegt und das ist die halbe Miete.
Diese Probleme in den Griff zu bekommen ist der nächste Schritt. Der ist eben nicht ganz so einfach.

Sich selbst zu schätzen und zu lieben ist sehr wichtig. Und wenn man das aus irgendwelchen Gründen nicht kann, dann sucht man sich Wege um dieses Gefühl zu kompensieren.
Das dass nicht funktioniert hast du bereits gemerkt.
Du opferst dich für andere Menschen auf, um gebraucht zu werden. Um das Gefühl zu bekommen geschätzt zu werden.
Dies kann aber nicht dein Selbstwertgefühl ersetzen. Nichts vermag das.
Das du dich auf diese Weise ausgenutzt fühlst ist logisch. Du machst und tust alles für diese Personen, aber das was dir fehlt kann dir keiner geben. Und das Gefühl würde sich auch nicht verändern, wenn andere Menschen dir eine ähnliche Aufopferung entgegen bringen würden. Da man es, wie gesagt schlicht und einfach nicht ersetzen kann.
Die andere nehmen es natürlich gerne an, warum auch nicht. Sie meinen es nicht böse und denken auch nicht unbedingt darüber nach, wieso man das tut.
Aber es muss definitiv aufhören. Dir bleibt nämlich keine Energie mehr über und du stürzt dich nur noch mehr in Probleme.

Sein Selbstwert aufzubauen, ohne Hilfe, ist machbar. Benötigt Zeit und auch dauerhafte Übung.
Du kannst damit beginnen herauszufinden wer du gerade in diesem Moment bist. Wer du sein möchtest.
Das ist ein zentraler Punkt, vor allem wenn man sich bis zu diesem Zeitpunkt darüber definiert hat, was man für andere tut.
Schreibe einmal auf, wie du dich siehst. Wie andere dich sehen. Freunde, Familie, Lehrer.
Versuche die schlechten und die guten Dinge zu benennen. Hast du ein paar Punkte, die neutral sind, kannst du das auch aufschreiben.
Denke so lange darüber nach, bis dir auf keinen Seiten mehr was einfällt. Und dann schaue dir die Punkte alle nochmal einzeln an. Denke genau darüber nach ob die Bewertung richtig ist. Ist es für dich positiv/negativ oder für andere Menschen?
Du wirst schnell merken, wie da schon was passiert.

Und danach solltest du dir ein Traumbild von dir erschaffen, auch wenn es noch so unerreichbar scheint.
Es ist nichts verkehrtes daran zu übertreiben.
Hauptsache du bist in deinem Kopf ganz genauso wie du dich haben möchtest.
Körperlich, geistig.
Was hast du für Eigenschaften? Wie siehst du aus? Wie bist du nicht?
Usw.
Wenn du das erschaffen hast, dann weißt du in welche Richtung du arbeiten musst.
Dann weißt du, was du tun musst und was du nicht tun solltest!
Mit dieser Liste kannst du alles abwägen und wirst immer die richtige Lösung parat haben.
Du brauchst nicht mehr überlegen oder zweifeln.
Du weißt dann wo du hin willst! Ein übergeordnetes Ziel.
Das wird dich auch vor weiteren Fehlern bewahren!
Bedenke immer, die wichtigste Person in deinem Leben bist du!
Ohne dich gibt es auch DEIN Leben nicht.

Deshalb musst du auf dich am besten aufpassen!
Wenn du nicht mehr da bist, dann kannst du auch keinem anderen Menschen helfen.
Und du bist offensichtlich eine tolle, großartige Person.
Es wäre ein großer Verlust wenn die Welt dich verlieren würde!
Bitte denke mehr an dich!

Du solltest dich mal im Spiegel anschauen!
Ganz genau. Schau dir selbst in die Augen und sage dir, dass du toll bist!
Das du eine einzigartige Person bist. Das du dich liebst.
Versuche das jeden Tag zu machen. Am besten mehrmals.
Solange bis du daran glauben kannst!
Du musst das niemandem erzählen. Du brauchst es nicht mit Publikum zu tun.
Nur für dich.
Du kannst dir auch Zettel aufhängen, dort wo du sie gut sehen kannst.
Und wo du sie jeden Tag sehen kannst. Schreibe Dinge auf, die du an dir magst.
Die andere an dir mögen.
Und es gibt welche! Hier sind schon mal welche:
-Du bist intelligent.
-Du bist hilfsbereit.
-Du bist eine gute Freundin.
-Du bist eine liebenswerte junge Frau.
-Du weißt sehr genau was du tust.
-Du bist sehr reflektiert.
-Du bist nicht naiv.
Und einige mehr. Aber ein bisschen sollst du deinen Kopf selber anstrengen. ;)

Vergiss dich nicht. Niemand anderes hat verdient, dass du dein Leben kaputt machst für ihn/sie.
DU musst an deinem Glück arbeiten. Denn du bist es die glücklich sein darf/soll/muss.
Jeder hat seinen eigenen Kampf zu kämpfen.
Und wenn du anderen ihren Kampf abnimmst, werden sie wieder in dieselben Probleme geraten.
Denn sie haben aus dem ersten Mal nichts gelernt. Weil du es ihnen abgenommen hast.
Wenn man jemandem helfen möchte, ich meine richtig helfen möchte, dann muss man Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Und das kann man nur, wenn man zuerst sich selber hilft!
Anders geht es eben nicht!

Das was du geschrieben hast und wie du es geschrieben hast, sagt sehr viel über dich aus.
Es zeigt mir, dass du alles schaffen kannst, wenn du es willst.
Es zeigt mir was für ein klasse Mensch du bist!
Jetzt musst du dich nur noch um dich kümmern, dann wird aus dir eine erfolgreiche Frau!
Du schaffst das! Das weiß ich zu 100%

Ich drücke dir ganz doll die Daumen.
Liebe Grüße
Janine