Problem von Anonym - 13 Jahre

Alles überfordert mich

Hallo ich möchte mich im Voraus entschuldigen, dafür das ich mich nicht so gut ausdrücken kann. Auf jeden Fall erzähle ich glaube ich erstmal was über mich. Ich bin eigentlich eine sehr Lebensfreudige Person, doch mein Körper sagt nein. Das heißt ich bin ständig müde und schlapp. Ich bin auch mit allen Sachen überfordert, sei es in die Schule zu gehen oder einkaufen. Das kann aber auch wiederum mit meiner sozialen Phobie Zusammenhängen. Ja ich habe soziale Phobie und das überfordert mich auch immer. Genau damit komme ich nicht klar. Manchmal könnte ich auch einfach weinen, weil wir mal nichts zum Essen haben. Ich weine auch so sehr viel und habe auch manchmal grundlos Angst. Ich hatte auch 1 bis 3 mal eine Panikattacke. Ich habe das Gefühl das, dass alles mit meiner Vergangenheit zu tun hat. In meiner Vergangenheit war nicht alles so schön. Als ich ein Kind war, haben sich meine Eltern immer so viel und so krass gestritten, sie haben herumgeschrien. Ein kleines Kind soll sowas nicht zu hören bekommen, doch ich habe es Gehört. Das war noch nicht alles, meine Eltern haben mich auch immer angeschrien und ich habe sehr viel geweint und damit habe ich gehofft das sie aufhören. Haben sie aber nicht gemacht. Wenn ich mal morgens nicht aus dem Bett gekommen bin, weil ich keine Lust hatte aufzustehen, hat mich mein Vater immer aus dem Bett gezogen. Ich habe mich immer gewährt, weil mir das weh tat. Meiner Mutter hat mich auch manchmal geschlagen und herum gezerrt. Das war leider meine Kindheit. Ich denke, ich habe diese soziale Phobie aus meiner Kindheit. Ich habe auch sehr oft das Gefühl, dass alles was grade passiert unecht ist. Vor allem in dieser corona Zeit. Ich wollte noch zum Schluss sagen, dass ich mich mittlerweile gut mit meinen Eltern verstehe. Wir haben nicht das beste Verhältnis, doch wir Gersten und wieder. Ich liebe meine Eltern mittlerweile auch. Doch das was sie mir angetan haben, werde ich denen nie verzeihen.

Anwort von Lan

Hallo lieber Ratsuchender oder liebe Ratsuchende,

vielen Dank, dass du dich uns anvertraut hast. Mache dir bitte keine Sorgen darüber, dass du nicht die richtigen Worte finden kannst. Die Hauptsache ist, wie ich finde, dass du den Mut gefasst und uns geschrieben hast. Allein das finde ich super von dir. Das kostet viel Überwindung, sich so zu offenbaren, seine Schwächen und Probleme so darzulegen. Hut ab!
Und um dir weiter deine Sorge zu nehmen: Ich finde ganz im Gegenteil, dass du dich gut ausdrücken kannst und sehr reflektiert schreibst. Ich kann außerdem deinen Aussagen gut folgen.

Das macht mich traurig, zu lesen, was du alles bereits durchmachen musstest. Aus deinem Schreiben kann ich herauslesen, dass es schwer für dich war und noch immer ist. Fühl dich von mir gedrückt!

Müde und schlapp

Es tut mir leid zu hören, dass du dich trotz deiner Lebensfreude so ausgelaugt und lethargisch fühlst. Das muss für dich sehr erdrückend sein, obwohl du dich selbst als lebensfreudige Person ansiehst, aber dein Körper einfach nicht so mitspielen will, wie du es gerne hättest. Diese Müdigkeit, die du beschreibt, könnte möglicherweise etwas mit deiner sozialen Phobie zu tun haben. Allerdings möchte ich nicht vorschnell urteilen und diagnostizieren darf ich an dieser Stelle auch nicht, da ich kein Fachmann bin. Es könnten auch andere Gründe dahinter stecken, die vielleicht auch körperlicher Art sind. Um das zu klären, würde ich dir raten, einen Hausarzt aufzusuchen. In einem Gespräch könnte er die Gründe herausfinden.

Überforderung

Du schreibst, dass deine Überforderung, in die Schule oder einkaufen zu gehen, womöglich mit der Sozialen Phobie zusammenhängt. Das könnte so sein, da dies soziale Situationen sind, bei denen du auf andere Menschen triffst. Das muss nicht zwangsläufig sein, darum möchte und kann ich da keine Diagnose stellen. Ich will dir ein paar Fragen stellen, die dir helfen könnten, dich besser zu verstehen: Was genau überfordert dich dabei? Wie äußert sich deine Überforderung? Was tust du, damit du nicht überfordert bist? Und was müsste sich ändern, damit du nicht mehr überfordert bist?

Soziale Phobie

Das klingt wirklich traurig, dass du deswegen so viel weinst und leiden musst. Ich will keine Diagnosen aufstellen, rate dir aber unbedingt, wenn du es noch nicht getan hast, einen Facharzt, einen Psychologen oder Psychotherapeuten aufzusuchen. In einem ersten Gespräch wirst du gefragt, welche Beschwerden du hast, wie dein Gesundheitszustand ist und welche körperlichen Erkrankungen du hast. Diese können wirklich feststellen, ob bei dir eine soziale Phobie oder etwas anderes vorliegt.
Und sie können mit dir gemeinsam an diesen Problemen arbeiten und dir helfen. In einer (Verhaltens-)Therapie kannst du Schritt für Schritt lernen, dein Vermeidungsverhalten aufzugeben und auch die Angst zu überwinden. Eine Therapie zu machen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern im Gegenteil: Du bist mutig genug, deine Schwäche zu akzeptieren und daran zu arbeiten und holst dir Hilfe. Du musst damit nicht allein fertig werden.

Außerdem empfehle ich dir als Akut-Ratgeber die Nummer gegen Kummer (116 111 oder unter https://www.nummergegenkummer.de/und die Telefonseelsorge (0800.1110111 oder 0800.110222 oder unter der Webseite https://www.telefonseelsorge.de). Diese wahren Anonymität, wodurch es leichter werden kann, die Hilfe zu suchen. Die Berater können gut einschätzen, welche Hilfe notwendig ist.

Du kennst dich vermutlich am besten und ich will dir damit auf keinen Fall das Gefühl geben, nicht verstanden zu werden oder dass ich dir nicht glaube. Die Symptome, die du erwähnt hast, deuten auf eine soziale Phobie hin. Aber solange das noch kein Fachmann diagnostiziert hat, würde ich vorsichtig mit eigenen Vermutungen sein Doch ich glaube dir, dass du mit diesen Problemen zu kämpfen hast und ich glaube auch deinen Schilderungen und nehme sie ernst.

Eine soziale Phobie ist eine starke Angst. Besonders in die Schule gehen, kann sehr belastend sein, da du Situationen ausgesetzt bist, in denen du etwas falsch machen und dich vor anderen blamieren kannst.
Da ich selbst mal an sozialen Ängsten gelitten habe, kann ich verstehen, wie schwierig alltägliche Situationen sein können. Vermutlich wirst du lieber Situationen wie in die Schule gehen und Einkaufen aus Phobie vermeiden, weil sie Auslöser dafür sind. So schwer wie es ist, wird deine Phobie durch das Vermeidungsverhalten immer weiter verstärkt.

Anderen Menschen anvertrauen

Vielleicht kann es dir helfen, wenn du dich Menschen, die dir nahe stehen, anvertrauen würdest. Gibt es vielleicht jemanden, der dir nahe steht und der dich unterstützen könnte? Du musst beispielsweise nicht alleine in die Schule oder einkaufen gehen. Wie wäre, wenn dich jemand bei alltäglichen Situationen begleiten würde? Eventuell könnte dir das ein wenig die Angst nehmen, da du jemanden an deiner Seite hast, dem du vertraust. Vielleicht könnt gemeinsam überlegen, was am besten wäre. Wie sieht es bei dir eigentlich mit Freunden aus? Fällt es dir sehr schwer, auf andere zuzugehen und dich ihnen anzuvertrauen?

Was du selbst tun kannst

Ich weiß, es ist leichter gesagt als getan, aber du solltest dich deinen Ängsten stellen. Die Konfrontation mit der Phobie kann sehr schwer sein, aber damit könntest du dich Stück für Stück an deine Grenzen rantasten und lernen, besser mit der Angst umzugehen. Ich denke, dass es besser wäre, kleine Schritte zu machen, je nachdem wie ausgeprägt deine soziale Phobie ist. Nicht dass dich das dann doch zu sehr überfordert. Schon kleine Schritte könnten helfen.

Vielleicht kann es dir helfen, eine andere Einstellung zu Zurückweisungen und Ablehnung zu entwickeln. Vermutlich wirst du ungern auf andere zugehen mit der Einstellung, dass dich andere uninteressant finden oder du Angst hast, etwas falsch zu machen. Aber wie wäre es mit der Einstellung: "Ich gehe jetzt auf andere zu und rede mit ihnen. Und wenn sie keine Lust haben, dann ist das schade, aber es muss nicht an mir liegen." Und wenn jemand tatsächlich keinen Kontakt will, muss es nicht an dir selbst liegen, es können noch ganz andere Gründe dahinter stecken: Der andere hat keine Lust, er ist nicht in der Stimmung, hat keine Zeit, oder Stress und noch mehr.

Gibt es eigentlich Aktivitäten und Hobbys, denen du gerne nachgehst? Gibt es da etwas, was dir Spaß macht und worin du gut bist? Das könnte dir helfen, dich von deinen Problemen abzulenken und eventuell bist du bei solchen Unternehmungen auch weniger gehemmt. Noch besser wäre es, diese Hobbys mit dir vertrauten Menschen auszuüben oder auszuprobieren, denn dann hättest du jemand Vertrautes bei dir, der dir den Rücken stärkt.

Wie wäre es, wenn du einen Sport ausprobierst oder Entspannungstechniken lernst? Beides kann dir helfen, die Anspannung und die körperlichen Symptome zu reduzieren. Auch wenn es schwer fällt, aber vielleicht kannst du ja auch einem Sportverein beitreten. Damit verbindest du das Soziale mit dem Sport. Es kostet vermutlich viel Kraft und Überwindung, dich dort anzumelden. Vielleicht kannst du dich ja mit einer Freundin oder einem Freund dich dort anmelden. Du kannst aber auch Sportarten wie Joggen und Radfahren ausüben, die du auch alleine machen kannst.

Mir hat es beispielsweise geholfen, in eine Theater-Gruppe zu gehen. Dort konnte ich andere Menschen besser kennenlernen und auch lernen mit meiner Angst besser umzugehen, indem ich auf der Bühne mit anderen stand und spielte. Das kostete auch mich jede Menge Überwindung, aber ich lernte dadurch auch eine andere Seite von mir kennen und konnte mich so meiner Angst stellen.

Das ist jetzt aber eher ein gewagter Tipp, den du nicht befolgen musst. Wenn du das nicht willst und dich dafür nicht bereit fühlst, ist das auch absolut in Ordnung. Es könnte dir helfen, muss aber nicht sein. Ich möchte dir nur ein paar Anregungen geben. Du kannst dir selbst aussuchen, ob du sie umsetzt und welche. Das bleibt dir selbst überlassen.

Du kannst es in wirklich kleinen Schritten versuchen, aber wenn du merkst, das geht einfach nicht, dann überfordere dich nicht. Am besten wäre es, wenn du das nicht allein machst, sondern dir entweder eine vertraute Person oder einen Psychotherapeuten dazu zur Hilfe suchst.


Schwere Kindheit

Ich danke dir auch, dass du uns auch deine schwierige Kindheit anvertraut hast, das war sicher nicht leicht für dich. Das klingt wirklich nach einer schweren Zeit, die dich emotional sehr geprägt hat, weil du unter den Streitigkeiten sehr gelitten haben musstest. Was du in deiner Kindheit durchgemacht hast, kann ich ein wenig nachvollziehen, da auch meine Eltern damals in meiner Kindheit und Jugend viel gestritten und geschrien haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr man als Kind darunter leidet und was das mit einem macht. Darum fühle ich mit dir, auch wenn ich mir bestimmt nicht anmaßen und behaupten will, genauso zu empfinden wie du. Es tut mir leid zu hören, dass deine Eltern so sehr gestritten haben und du darunter leiden musstest. Das ist einfach zu viel für ein kleines Kind. Zu lesen, dass deine Mutter dich geschlagen hat, tut mir furchtbar leid. Das sollten Eltern auf keinen Fall tun. Es könnte sein, dass deine soziale Phobie damit zusammenhängt, aber da ich kein Psychologe bin, darf ich mir darüber kein Urteil machen.

Die verbale und auch körperliche Gewalt hinterlässt Spuren und lässt sich nicht so leicht herunterschlucken. Darum vermute ich, dass die Vergangenheit dich vermutlich doch noch weiterverfolgt, auch wenn du schreibst, dass du inzwischen ein besseres Verhältnis zu deinen Eltern hast. Habt ihr denn inzwischen über das, was damals passiert ist, geredet und versucht das gemeinsam aufzuarbeiten? Du meinst, dass ihr euch wieder gut miteinander versteht, aber nicht das beste Verhältnis habt, was ich aufgrund deiner Schilderungen nachvollziehen kann. Ich vermute stark, dass da noch etwas zwischen euch steht. Schließlich schreibst du auch, dass du sie zwar mittlerweile lieben, aber ihnen nicht verzeihen kannst. Hast du vermutlich noch nicht komplett damit abgeschlossen können, da du dich auch mit ihnen nicht versöhnen kannst? Ich kann verstehen, dass du ihnen das nicht verzeihst, was sie dir angetan haben.

Aber ich denke, dass es vor allem für dich und deinen künftigen Lebensweg entscheidend ist, mit diesem Kapitel abzuschließen und wieder Frieden zu finden. Einfach nur für dich selbst. Und vielleicht macht das auch etwas mit deiner psychischen und körperlichen Problemen? Eine Möglichkeit für dich wäre zum einen, noch einmal das Gespräch mit deinen Eltern zu suchen. Du könntest sie auch fragen, wie sie diese Zeit erlebt haben und das Ganze sehen. Vielleicht denkt ihr auch, dass eine Art Familientherapie helfen könnte. Ich denke, dass es einfach wichtig wäre, mit ihnen darüber zu sprechen und das aufzuarbeiten. Vielleicht kannst du das deinen Eltern in einer ruhigen Situation vorsichtig vorschlagen und mal schauen, wie sie darauf reagieren. Schildere ihnen bitte aus deiner Sichtweise, warum dir das helfen könnte und wie das auch eure Beziehung zueinander stärken könnte. Bleib dabei ganz bei dir, ohne Vorwürfe zu machen oder unter Druck zu setzen. Vielleicht brauchen sie dann auch eine Weile, um das sacken zu lassen. Falls sie sich dagegen wehren sollten, solltest du auch keinen Druck machen, sondern ihnen Zeit geben, darüber nachzudenken und immer mal wieder nachzufragen, was sie davon halten und ob sie ihre Meinung geändert haben. Dann merken sie, wie wichtig es dir ist. Wie geschrieben, du kannst das tun, musst es aber nicht.


Ich habe hier einige Links zusammengestellt, die dir helfen könnten:

https://www.palverlag.de/eltern-frieden-schliessen.html
https://www.persoenlichkeits-blog.de/article/10111/welche-schlimme-kindheitserfahrung-wiederholen-sie-in-ihrem-leben
https://www.mopo.de/ratgeber/gesundheit/verletzte-gefuehle-eine-schlimme-kindheit-verarbeiten-3653986
https://www.vssp.de
https://www.psychotherapiesuche.de
https://www.selfapy.de/blog/wissen/psychotherapieplatz-finden/
https://www.therapie.de/psyche/info/fragen/psychotherapeuten-finden/tipps-therapeutensuche/
https://www.psog.de/soziale-phobie/

Über den Beratungsführer von DAJEB kannst duBeratungsstellen vor Ort finden.
https://dajeb.de/beratungsfuehrer-online/beratung-in-ihrer-naehe/

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen und wünsche dir wirklich von Herzen alles Gute für die Zukunft. Ich hoffe sehr, dass du deine Probleme überwinden und vielleicht auch wieder Frieden mit dir und deinen Eltern schließen kannst. Falls du noch einmal Hilfe brauchst, kannst du mir gerne wieder schreiben.

Beste Grüße,
Lan