Problem von Anonym - 17 Jahre

Angst vor der Zukunft

Hi,
Ich bin 17 und mache gerade mein Abitur. Ich möchte die Schule nicht verlassen. Ich habe so unglaublich viel Angst davor und keine Perspektive, die mir gut erscheint. Ich hab nur noch eine Prüfung und überlege dort nicht hinzugehen, weil das die letzte Chance ist noch mal ein Jahr weiter zur Schule zu gehen. Ich bin so unvorbereitet und will das nicht und habe so viel Angst.

Anwort von Lan

Liebe Ratsuchende,

danke, dass du dich traust, mit deinem Problem zu uns zu kommen. Ich kann deine Zukunftsangst verstehen und denke, dass es normal ist, so zu empfinden, vielen in deinem Alter geht es so. Du befindest dich an einem Punkt, wo du große Entscheidungen über dein weiteres Leben treffen musst. Aus deiner Zuschrift lese ich heraus, dass du dich noch nicht bereit fühlst, weiterzugehen und zu entscheiden, was du nach der Schule machen kannst. Dir fehlt es an Perspektive und du möchtest nicht ins Ungewisse gehen, ohne zu wissen, wohin deine Reise dich führen wird. Darum kann ich es echt gut verstehen, dass du dir mehr Zeit wünscht und auch überlegst, die Prüfung nicht zu machen um mehr Zeit zu gewinnen.
Vermutlich geht es dir wie vielen anderen. Du hast Angst davor, die falsche Entscheidung zu treffen. Womöglich weißt du bei mehreren Optionen nicht, wofür du dich entscheiden solltest. Das überfordert dich. Vielleicht bist du unsicher, wie du ein passendes Studium oder eine geeignete Ausbildung finden kannst. Deine Angst scheint dich zu lähmen, weiterzugehen, weswegen du lieber das Jahr wiederholen willst, in der Hoffnung, dass du danach besser vorbereitet bist.

So schwer es dir auch fällt und sehr du davor fliehen willst: Eine Entscheidung musst du dann doch irgendwann treffen, früher oder später, auch wenn du Angst hast. Und wenn du keine triffst, ist das auch eine Entscheidung. Das Problem ist womöglich, dass du nicht weißt, wie du das Richtige für dich findest. Doch damit bist du sicherlich nicht allein.

Angst hinterfragen

Hilfreich wäre es zunächst, wenn du in dich gehen würdest und dich fragst, wovor du genau Angst hast. Hinterfrage auch, ob du wirklich keine Perspektive hast, die wirklich gut ist. Kann es auch sein, dass du zu viel von dir selbst erwartest, dir selbst zu viel Druck machst?

Interessen und Hobbys

Ganz rational gesehen könntest du vielleicht brainstormen, welche interessanten Berufe dir einfallen oder was du dir vielleicht doch vorstellen kannst. Auch wenn du dich für etwas entschieden hast, musst du darauf nicht beharren. Es könnte sein, dass du dich dann wieder umentscheidest und etwas anderes tun willst. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Das ist dann dein Weg und der kann und muss nicht perfekt sein.Vielleicht überlegst du, was dich interessiert, wo du gut drin bist, was du gerne machst und schaust im Internet beispielsweise mal bei der Arbeitsagentur nach, welche Berufsmöglichkeiten es gibt.

Du könntest auch mal direkt zur Arbeitsagentur gehen und eine Berufsberatung machen, die dir aufzeigt, welche Möglichkeiten und Perspektiven du hast und wo du herausfinden könntest, was dir liegt. Erinnere dich an frühere Praktika oder andere Aktivitäten, die dir Spaß gemacht haben und schaue, ob diese für dich auch beruflich in Frage kommen könnten. Oder frage auch mal deine Lehrer, Eltern und Freunde, worin sie bei dir Stärken und Talente sehen, die du vielleicht selbst noch nicht entdeckt hast.

Möglichkeiten abseits von Ausbildung und Studium

Doch du musst dich nicht unbedingt sofort für die zwei klassischen Wege, Ausbildung oder Studium, entscheiden, es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, wenn du dich noch nicht vorbereitet genug fühlst.

Wie wäre es mit einem Freiwilligen Sozialen oder Freiwilligen Ökologischen Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst?
Bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr kannst du dich im sozialen Bereich engagieren wie beispielsweise Kitas, in der Jugendarbeit, in Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen oder bei der Familienhilfe. Beim Freiwilligen Ökologischen Jahr arbeitest du in öffentlichen Einrichtungen oder Umweltverbänden, dort kannst du beispielsweise Felder bewirtschaften, Tiere versorgen oder erklärst Kindern die Natur. Vorkenntnisse brauchst du nicht. Meist dauert ein Freiwilliges Jahr mindestens sechs Monate und kann bis 18 Monate ausgedehnt werden. Also genug Zeit, dich auszuprobieren. Beim Bundesfreiwilligendienst kannst du im Bereich Kultur, Sport und Integration arbeiten.

Oder du engagierst dich im Umweltschutz oder im sozialen Bereich ehrenamtlich oder machst in Bereichen, die dich interessieren, Praktika. Dabei kannst du schon mal in Berufe reinschnuppern, die dir zusagen, sammelst gleich Erfahrungen im Arbeitsalltag und schaffst vielleicht schon gute Kontakte für später.

Bist du auch an anderen Kulturen interessiert und verreist gern? Dann wäre vielleicht ein Auslandspraktikum oder die Arbeit als Au-Pair etwas für dich. Wenn du Abenteuer magst und dein eigenes Geld verdienen willst, wäre ein Work and Travel auch etwas für dich.

Allen Möglichkeiten ist gemeinsam, dass du Erfahrungen sammeln kannst, dich dabei weiterentwickelt, mehr Orientierung bekommen kannst.

Auch andere junge Erwachsene ergreifen die Chance und versuchen sich nach dem Abitur erst einmal selbst zu finden, sich auszuprobieren. Das ist absolut in Ordnung und gerade in dieser Phase notwendig und richtig. Schließlich es auch der perfekte Zeitpunkt für solche "Experimente", bevor es dann weiter mit der Karriere geht.

Hilfe von anderen holen

Vielleicht kannst du dich mit Gleichaltrigen und anderen Jugendlichen austauschen, die in einer ähnlichen Lage sind?
Es kann dir helfen, dich mit Familie und Freunde auszutauschen und was ihnen geholfen hat, mit dieser Angst umzugehen. Du kannst dich auch mal bei deiner Familie, deinen Freunden, Bekannten umhören, welche Berufserfahrungen sie gemacht haben oder welche Berufe sie ausüben. Das ist besonders hilfreich, wenn du noch nicht wirklich eine Idee hast, was du machen willst.
Eine Möglichkeit wäre auch, dass du dich an einen Vertrauenslehrer wendest, mit dem du das besprechen kannst. Der könnte dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du mit der Angst zurechtkommst und was du weiteres tun kannst. Es ist vollkommen okay, wenn du dir Ratschläge von anderen einholst. Aber wofür du dich im Endeffekt entscheidest und ob du den Ratschlägen folgst, liegt dann aber vollkommen bei dir.

Einfach probieren

Wichtig ist, dass du überhaupt handelst und weitermachst und nicht auf der Stelle trittst. So schwer es dir auch fallen mag, du lieber in der Komfortzone und damit in der Schule bleiben willst: Irgendwann musst du weitergehen. Du schreibst, dass du nicht wirklich eine gute Perspektive hast, aber du scheinst etwas im Blick zu haben, bist aber unsicher, ob das genug ist. Probiere es doch einfach aus! Du kannst nie wissen, was sich daraus ergibt oder ob es nicht doch gut genug ist, wenn du es nicht austestet. Das ist leichter gesagt als getan, aber nur wenn wir etwas wirklich ausprobieren, können wir klüger werden. Mit jeder Erfahrung, auch mit schlechten, werden wir klüger und jede Niederlage und auch jedes Scheitern machen uns stärker. Und wenn du merkst, es ist doch nicht das richtige, ist es kein Weltuntergang. Du kannst dich dann immer noch umorientieren und etwas anderes machen. Nichts ist in Stein gemeißelt. Und vor allem wenn man noch so jung ist, hast du noch viele Möglichkeiten, dich umzuorientieren und auszuprobieren.

Wenn das alles nichts hilft, bleibt dir natürlich die Möglichkeit, das Jahr noch einmal zu wiederholen. In dem Falle würde ich aber ich an deiner Stelle wirklich noch einmal mit deinem Klassen- oder Vertrauenslehrer sprechen. Du musst das nicht alleine durchstehen, scheue dich nicht davor, auch andere miteinzubeziehen. Manchmal kann es tatsächlich helfen, noch mehr Zeit zu erhalten, indem man das Jahr wiederholt. Aber das solltest du dir gut überlegen, denn das bedeutet auch, wieder ähnliche Prüfungen durchzumachen.

Hier habe ich dir einige Links aufgelistet, die dir bei deiner Wegfindung helfen können:
https://www.aubi-plus.de/wegweiser/
https://www.aubi-plus.de/freiwilligendienst/
https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Schule_und_dann.pdf
http://www.berufenet.arbeitsagentur.de/
http://www.berufswahlpass.de
http://www.pro-fsj.de/
http://www.foej.de/
http://www.bundesfreiwilligendienst.de/

Ich wünsche dir für deinen weiteren Lebensweg alles Gute und hoffe, dir damit weiterhelfen zu können. Ich wünsche dir viel Erfolg und hoffe, du überwindest deine Angst und findest etwas, was dich erfüllt.

Liebe Grüße
Lan