Problem von anonym - 15 Jahre

Mein bester Freund behandelt mich wie Dreck

Hey, ich bin 15 Jahre alt und möchte hier mein Problem teilen, da ich Schwierigkeiten habe, mit Leuten persönlich darüber zu sprechen.
Also mein bester Freund m (16) behandelt mich schon seit einiger Zeit nicht mehr, wie eine beste Freundin, er hat pausenlos etwas an mir auszusetzen und nörgelt an mir rum, mal ist es mein Aussehen, was ihm nicht passt und ein anderes mal, ist es meine Denkweise in manchen Themen, oft hat er auch Probleme damit, wenn ich Regeln befolgen (z. B. Wenn ich an einer Ampel warte, wie es sich gehört, das findet er zu Deutsch, was ich absolut kindisch finde, aber erstmal nichts dazu gesagt habe). Andauernd muss ich für ihn zurückstecken, weil er eine seiner vielen Mädels, auf die er steht, trifft, was ja nicht mal schlimm wäre, weil ich mich sehr für ihn freuen würde, würde er eine nette Freundin Finden. Aber nichtmal sowas nimmt er erst, schon so viele Mädchen hatten wegen ihm einen "mental breakdown", da er sie ohne richtigen Grund verließ. Er redet ständig über seine Mädchen Probleme mit mir, aber sobald ich Kummer wegen eines Jungen habe, tut er so als wäre ich eine, auf gut deutsch gesagte "Memme", ich hab lange versucht damit umzugehen, da er mein bester Freund ist und wir auch Spaß zusammen haben können, jedoch hab ich gemerkt, ich kann das nicht mehr, pausenlos versuch ich es ihm recht zu machen in dem Wissen, dass ich ihn eh nie zufrieden stellen könnte, ein weiteres Beispiel wäre, dass ich ihm auf seinen Wunsch Nachhilfe in Mathe gegeben habe, er sich aber nur über alle möglichen Wörter lustig gemacht und Sachen in meinem Zimmer rum geworfen hat,ich verstehe einfach nicht, was sein Problem mit mir ist, denn wenn ich versuche mit ihm zu sprechen und ihm ernsthaft sage, daß mich das traurig macht, lacht er nur und sagt 'aw haha', das ist das selbe, wenn ich versuche nett zu ihm zu sein, ihm beispielsweise ein Kompliment mache, alles was er dazu sagt ist entweder 'wtf was los mit dir' oder 'ich weiß'. Er ist einfach nicht mehr der, mit dem ich diese Freundschaft eingegangen bin wir haben uns mal so gut verstanden, haben uns verhalten, wie Geschwister und jetzt..... ich bin verdammt ratlos, fühle mich aber besser, nachdem ich das hier losgeworden bin. Danke fürs zuhören, lg

Anwort von Lan

Liebe Ratsuchende,

vielen Dank, dass du dich uns anvertraut hast mit deinem Problem.

Zuallererst: Du machst nichts falsch. Schließlich bist du diejenige, die mit ihm reden will und du kämpfst um die Freundschaft.

Meine ganz ehrliche Meinung: Er hat dich als beste Freundin nicht verdient, wenn er dich so schlecht behandelt. Und ich finde, du hast auch etwas besseres als dieses Verhalten verdient.


Toxische Freundschaft

Ich finde, echte Freunde machen nicht so etwas wie dein bester Freund. Es mag sein, dass man sich auch mal direkt die Meinung sagt. Aber so wie er sich verhält, geht das gar nicht. Man meckert und kritisiert nicht ständig Freunde oder macht sie schlecht. Das darf weder ein bester Freund noch sonst irgendwer. Auch nicht in Ordnung ist, dass du ständig für ihn da bist und alles tust und machst, aber von ihm gar nichts kommt, sondern er dich so behandelt. Das geht absolut nicht.

Das klingt für mich sehr nach einer toxischen Freundschaft, also einer Freundschaft, die dir mehr schadet als dass du damit glücklich bist. Du meinst, dass er seit einiger Zeit so ist. Weißt du vielleicht, woran es liegt, dass er sich so verändert hast? Hast du mit ihm darüber gesprochen, warum er so oft an dir etwas zu meckern hat?



Über Freundschaft nachdenken

Da frage ich mich: Ist das denn überhaupt eine Freundschaft? Was ist dir wichtig in deiner Freundschaft? Wie sollte ein bester Freund wirklich sein? Was wünscht du dir davon? Und was geht absolut gar nicht? Sei ehrlich zu dir: Willst du überhaupt noch wirklich mit diesem Jungen befreundet sein? Und wenn er nicht dein bester Freund wäre: Würdest du dich wieder mit ihm anfreunden wollen, so wie er jetzt ist?

Versuche mal über deine Vorstellungen und diese Freundschaft zu reflektieren. Wie viele Übereinstimmungen gibt es?
Und ist es in einer Freundschaft nicht wichtig, dass beide geben und nehmen und füreinander da sind? Und dass man beim anderen sein kann wie man will und es dem anderen nicht immer recht machen muss? Ich finde ja, dass man es nie jemandem recht machen kann und auch nicht muss. Du bist nicht für seine Zufriedenheit verantwortlich, er muss dafür sorgen, dass er glücklich ist.

Dein bester Freund hat sich augenscheinlich sehr verändert, ist nicht mehr der, der er mal war. Vielleicht könnt ihr dem nachgehen, woher diese Veränderung kommt. Ist er wirklich so? Oder steckt vielleicht mehr in ihm, aber er zeigt es vielleicht nicht?


Mit besten Freund reden

Ich finde es richtig, dass du das Gespräch gesucht hast. Aber er scheint alles abzublocken, will nicht reden. Dafür kannst du nichts, du hast es versucht. Du kannst es wieder versuchen und dann auch wirklich ernst machen. Wenn ihr nicht darüber redet, war es das mit der Freundschaft.

Wenn du die Freundschaft doch retten willst, dann sprich unbedingt noch einmal mit ihm. Sag ihm, dass du unter solchen Umständen keine Freundschaft haben willst und distanzier dich von ihm. Vielleicht braucht er selbst nur Abstand und sieht die Dinge wieder anders.

Schildere ihm aus deiner Sicht, wie du dich fühlst, was dich verletzt und dass du das so nicht länger willst. Und frage ihn, ob es an dir liegt oder er andere Probleme derzeit hat. Das könnte auch sein, es muss nicht an dir liegen. Ich denke, wenn jemand ein Problem mit mir hat, hat das meist nichts mit mir selbst zu tun, sondern mit dem anderen.

Zeige ihm seine Grenzen auf: Er ist zwar dein bester Freund, aber da darf er sich trotzdem nicht erlauben, ständig an dir zu nörgeln und dir zu sagen, was besser wäre und wie du dich zu verhalten hat. Da hat er überhaupt nichts zu sagen und das kannst du ihm ruhig verdeutlichen. Erkläre ihm, dass ihr beide verschiedene Individuen seid und es normal ist, dass man eben auch mal anders denkt und nicht immer gleiche Ansichten hat. Das sollte er lernen zu akzeptieren.
Sage ihm auch ruhig, dass du dich verletzt fühlst, dass er scheinbar nie für dich da ist und du so viel gibst, da bist, wenn er jemanden zum reden braucht.

Du hast bisher alles getan, um ihn zufrieden zu stellen, aber du merkst, es klappt nicht. Es wird unbedingt Zeit, dass du mehr an dich denkst und was dir gut tut und was nicht. Höre mehr auf deine Wünsche und Bedürfnisse und deine Gefühle und lasse dich davon leiten. Kommuniziere deine Gedanken und Emotionen mit deinem besten Freund und was alles mit dir macht, zeige ihm deutlich, was du willst und was nicht.

Es scheint mir als sei das Problem eher bei ihm zu suchen, wenn du schilderst, dass Mädchen wegen ihm einen "mental breakdown" hatten. Vielleicht sprichst du ihn darauf auch nochmal an und warum er das getan hat.

Du merkst, dass du jetzt an deine Grenzen stößt. Dein bester Freund scheint einen schwierigen Charakter zu haben, verständlich, dass du da langsam nicht mehr weiter weißt. Du bist vielleicht ausgelaugt, weil du eben so viel gibst, aber kaum etwas zurück bekommst.


Auf Abstand gehen

Ich würde an deiner Stelle, wenn er gar nicht mit sich reden lässt, Abstand nehmen und den Kontakt nicht mehr suchen. Vielleicht merkt er dann, wie wichtig du ihm bist und kämpft für eure Freundschaft. Sollte er es nicht tun, ist er es nicht wert, dein bester Freund zu sein.

Ich kann verstehen, dass du an dieser Freundschaft hängst, schließlich ist er dein bester Freund und ihr kennt euch vermutlich lange und gut. Diese Freundschaft ist ein Teil deiner Geschichte und darum willst du sie nicht aufgeben.


Loslassen, wenn gar nichts mehr geht

Wenn sich sein Verhalten nicht ändert, dann trenne dich von dieser Freundschaft. Dir zuliebe. Das willst du vermutlich nicht hören, aber es ist besser so. Wenn dich eine Freundschaft mehr belastet als dir Freude bringt, du immer nur gibst, aber nichts bekommst und dich schlecht fühlst: Dann ist es keine wahre Freundschaft. Auch wenn es mal anders war, Menschen ändern sich leider und nicht immer zum Guten. Es ist schmerzhaft, das zu erkennen und zu akzeptieren. Es tut auch weh, einen besten Freund zu verlieren. Aber wenn du weiter in dieser doch für mich klingenden toxischen Freundschaft bleibst, wirst du nur unglücklich, denn du leidest jetzt schon sehr darunter, wie ich herauslesen kann.

Es fällt schwer, loszulassen, das kenne ich zu gut. Aber manchmal ist das der beste Weg, weil alles andere dich nur kaputt machen würde. Die Erinnerungen an die schönen Zeiten bleiben dir ja erhalten. Aber auf Dauer ist das einfach nicht gut für dich, in dieser Freundschaft zu bleiben.


Zeit mit anderen Freunden verbringen oder neue Freunde finden

Versuche mehr Zeit mit anderen Freunden zu verbringen und schau wie es mit ihnen ist und vergleiche. Was fühlt sich besser an? Und glaube mir, es ist normal, dass Freundschaften enden, dafür entstehen wieder neue. Du bist noch jung, wirst noch viele Menschen kennenlernen und bestimmt auch neue Freunde finden, die dich besser behandeln.

Du schreibst, dass es dir schwer fällt, persönlich darüber zu reden. Wenn du aber doch jemanden zum reden brauchst, empfehle ich dir als Akut-Ratgeber die Nummer gegen Kummer (116 111 oder unter https://www.nummergegenkummer.de/und die Telefonseelsorge (0800.1110111 oder 0800.1110222 oder unter der Webseite https://www.telefonseelsorge.de)

Ich habe dir noch einige nützliche Links zusammengestellt, schau doch da auch gern rein:

https://mein-kummerkasten.de/240361/Meine-Beste-Freundin-behandelt-mich-schlecht.html
https://mein-kummerkasten.de/324123/Meine-beste-Freundin-macht-mich-fertig.html
https://gedankenwelt.de/wie-du-herausfindest-ob-du-eine-toxische-freundschaft-fuehrst/

Ich wünsche dir wirklich alles Gute und hoffe inständig, dass du eine Lösung für dich findest, mit der du gut leben kannst.

Viele Grüße,
Lan