Problem von jules - 18 Jahre

zugeknallt und unterschlafen mir geht es wunderbar

ich laufe im kreis. manchmal fühlt sich mein leben an wie ein endloser zyklus, den ich weder entfliehen kann, noch lann ich ihn brechen. wenn ich denke, dass ich ihm vielleicht doch entfliehen kann, fängt alles wieder von vorne an.
ich habe nun den schlimmsten setback in den ich je in meinem leben erlebt habe.
mit einer panikattacke.
ich hatte seit jahren keine panikattacken mehr. mit 13 hatten sie angefangen. ich wurde damals mit einer angst- und panikstörung und anorexie diagnostiziert. das war die schlimmste zeit mit den attacken. ich lag auf dem boden für stunden, konnte weder atmen noch reden. und das fast täglich. so plötzlich wie sie kamen, verschwanden sie nach einiger zeit aber wieder. meine psyche war aber Lange nicht geheilt. aber es war ein fortschritt immerhin.
und jetzt sind sie wieder da. mir geht es schon seit längerer zeit ziemlich schlecht. aber wenigstens besser als damals, nicht wahr? hahaha
fuck. wie kann ich mit 18jahren wieder am anfang stehen. waren die 5 jahre komplett umsonst?
nein. nicht am anfang. ich hab über die jahre nochmehr dumme scheiße gesammelt. seit dem ersten lockdown ist meine sowieso schon angeknackste psyche den berg runter. witzig wie sehr man sich innerhalb von so kurzer zeit zerstören kann.
ich hatte träume und ziele. oder wenigstens etwas woran ich mich festhalten konnte. morgen werde ich die klausur schreiben, die bestimmen wird ob ich weiter studieren kann. ich werde sie nicht bestehen. ich bin komplett ausgebrannt. ich schaff nichts mehr. ich habe es versucht. ich hab wirklich das beste gegeben. aber ich bin so müde. so so müde.
das ist das ding mit hoffnungslosigkeit. du versuchst zwar, weil du musst. aber du wirst nie 100% geben, weil wieso auch.
ich weiß das ist eine dumme einstellung, aber gefühle sind schwer zu verändern.
es ist win teufelskreis.

die panikattacke hat sich wochenlang angebahnt. ich hab es gespürt. und da war es. ich war wieder in dem scheiß kreislauf. eine stunde ging sie bis ich mich da raus reißen konnte.

ich hatte ein abitur von 1,1. ich wurde in die innere auswahl für ein stipendium gewählt. letzte woche musste ich denen sagen, dass ich zu depressiv bin um zu studieren.
ich wollte es doch schaffen. dabei habe ich immer gekämpft. ich habe immer mehr gemacht als die anderen. bin gerannt, hab immer gejagt, so lange bis die luft nach eisen schmeckt.
denn erfolg hat mich ausgezeichnet. ich war gut. ich war fast perfekt. die fassade jedenfalls.
aber sie ist auseinander gefallen und ich löse mich mit ihr auf.
ich weiß nicht was ich jetzt machen soll. ich habe keine ahnung. das war alles was ich seit langem wollte, ich hab auf das studium hingearbeitet. ich hab mich an diese idee so festgekrallt. was mache ich denn jetzt? ich glaub ich werde bei allem anderen auch scheitern, denn selbst mein traum war mir ja nicht wichtig genug anscheinend.
aber wahrscheinlich ist es nicht das richtige, wenn ich mich mit drogen zupumpen muss, damit ich es ertragen kann. aber ich glaube doch nicht, dass mein studium das problem ist. da steckt noch etwas viel tiefer. das ist ja das ding. ich werde nicht glücklicher mit etwas anderem- das schließe ich aus meiner vergangenheit.
sucht ist so tief in mir verankert- wie soll ich jemals davon wegkommen?
allein meine essstörungen. magerSUCHT, später die essSUCHT. dann meine sucht die beste zu sein, damals. internetsucht, sowie shoppingsucht. selbstverletzung und das rückfällig werden. rauchen, alkohol, gras. und jetzt stärkere substanzen. alles nur um mich lebendiger zu fühlen. und ich bins trotzdem nicht. kommen noch dazu. welches loch versuche ich zu füllen? was macht mir so viel angst? ist es eine chemical imbalance oder bin ich so panisch davor, nicht genug zu sein? nicht genug, leer.
wieso ist das so einfach für mich irgendwo reinzurutschen? bin ich zu schwach? eventuell. oder bin ich nur fundamental unglücklich über meine situation, mein leben? immer davon weglaufen wird mich zerstören. aber wie ändere ich das, das mich innerlich zerfrisst?
wie soll ich bitte wissen was das ist? was hat mich mit 13 so sehr verstört, dass ich mein leben nicht mehr so ertragen konnte, wie es war? wovor bin ich seit 5 jahren auf der flucht?
ich wünschte ich wüsste es denn das schlimmste wäre es wohl, wenn da einfach nichts ist.
nur ein unsicheres kleines mädchen, das sich viel zu sehr und viel zu lange mit selbstwertproblemen herumgeschlagen hat.
ein unsicheres, langweiliges mädchen mit einer unbedeutsamen kindheit, unbedeutsamen jugend, einem unbedeutsamen leben. etwas, dass ich verzweifelt versucht hab mit mentalen erkrankungen zu kompensieren. weil es einfacher ist, sich schlecht zu fühlen, als gar nicht.


und jetzt bin ich seit mehreren wochen nicht mehr nüchtern, habe mich betäubt. es hat schon irgendwie etwas, sich mental und körperlich zu zerstören. ich kann nachts manchmal nicht mehr atmen von den ganzen zigaretten die ich rauche. ich schlafe kaum und mein puls ist zeit zu zeit bei 120. meine nägel brechen ab, meine haare sind spröde und meine haut ist unrein. klar denken fällt mir immer schwerer.
ich wünschte ich könnte einfach nur noch weg. ich hasse alle hier. 1,5 millionen leute hier aber ich bin trotzdem so einsam. von meinen freunden habe ich mich isoliert, sie haben ihre interesse an mir verloren. meine beste freundin von 5 jahren, der ich mein leben anvertrauen würde antwortet mir nur noch halbherzig, mit ihr kann ich nicht mehr reden. meine eltern sind mit sich selbst beschäftigt, meiner mutter kann ich sowieso nicht mehr in die augen schauen. den einzigen den ich hier habe ist mein freund. wir sind uns zu ähnlich. er studiert das selbe wie ich. zwar mit erfolg, aber er betrinkt sich jeden tag um es zu ertragen. es tut mir so weh. er weiß nicht wie sehr es mich innerlich zerreißt in so zu sehen. ich weiß doch nicht wie ich ihm helfen kann wenn ich so bin. ich will ihn auf keinen fall noch weiter belasten, denn wenn ich untergehe, dann werde ich ihn nicht mitziehen.
aber ich weiß halt auch nicht was ich ohne ihn machen würde. das hört sich unglaublich toxisch am, aber er ist das einzige woran ich mich noch festklammern kann um nicht komplett abzudriften. ich glaub ihm geht es ähnlich.
wie kann ich ihm helfen? ich weiß halt nicht mal was ich sagen soll außer, wir müssen einfach immer weiter laufen.
aber das stimmt auch nicht. so weiter gehen kann es nicht. wenn es so weiter geht, sind wir beide wahrscheinlich in fünf jahren tot. und das wissen wir beide.

therapie? ich hab echt versucht hier jemanden zu kontaktieren. aber ist fast unmöglich. insbesondere wenn man nicht 100% bei der sache ist. die hoffnungslosigkeit halt. außerdem, wie soll mir ein voreingenommener mensch, der mich 45 min die woche sieht, mehr einblick in meine psyche geben.
ich war bei vielen therapeuten über die jahre. immer ging es um meine essstörung. mein gewicht. ich hatte das gefühl, dass ich eig eh ignoriert wurde.
die letzte hätte mir helfen können. ich hab ihr gesagt, dass es mir graduell schlechter geht. das war ab dem ersten lockdown. sie hat mir dann gesagt: “stimmungsschwankungen sind eine normale folge von essstörungen, hier antidepressiva, wir sehen uns in 2 monaten wieder!”
ich bin irgendwann nicht mehr hingegangen. ach und die antidepressiva hat nicht besonders geholfen übrigens. sonst würde ich mich ja nicht selbst “medizinisch behandeln”.

ich weiß, das war alles ein bisschen wirr und durcheinander aber ich bin es nicht wirklch gewohnt meine gefühle auszudrücken, des wegen bin ich aber auch sehr dankbar über dieses angebot von kummerkasten. vielen dank, ihr leistet wirklich eine tolle arbeit.

liebe grüße jules

Nuala Anwort von Nuala

Hallo jules!

Ich danke dir für deine beiden Zuschriften. Deine zweite mit deinem Gedicht würde ich dann auch noch gern veröffentlichen.

Auch wenn sich alles hoffnungslos und "kaputt" anfühlen mag, bist du jetzt an einem ganz wesentlichen Punkt in deinem Leben angelangt: Du kannst die Weichen neu stellen. Um das erkennen zu können, musstest du zunächst aus deinem gewohnten Trott, dem scheinbaren linear nach vorn strebenden Leben (mit selbstausbeuterischer Anstrengung und Erfolg) ausscheren. Wie ein Auto, das bei Glatteis von der Fahrbahn geschleudert wird.
Es ist keine Schande, nicht mehr alles "im Griff" zu haben. Vielmehr sollte das der neue Standard werden, wie ich finde - dass wir uns nicht mehr bis an den Rand der Erschöpfung treiben, geißeln, verurteilen für unsere Fehler und Schwächen. Wir sind nicht für eine durchoptimierte Welt gemacht. Im Grunde ist es heilsam, wenn wir davor kapitulieren.

Über die Jahre ist bei dir viel geschehen, was deine Niedergeschlagenheit weiter genährt hat. Das ist total nachvollziehbar. Eine Essstörung entsteht nicht einfach so, da gibt es eine Vorgeschichte mit vielen Kapiteln. Auch der starre Wunsch nach ständiger Höchstleistung ist nicht aus heiterem Himmel gekommen. Sehr viel passiert schon in frühester Kindheit, auch wenn wir uns nicht an Details erinnern können. Doch gerade um das alles zu erforschen und - noch viel wichtiger - zu lernen, wie wir trotz der Prägung und den negativen Vorerfahrungen zu einem erfüllenden neuen Alltag kommen können, ist eine psychotherapeutische Begleitung mit einer passenden Therapeutin oder einem Therapeuten so entscheidend.

Ja, es kann definitiv ein gutes Leben geben, für jeden Menschen. Der große Fallstrick ist, dass man sich das bei vielen Jahren der Niedergeschlagenheit und der Schicksalsschläge meist beim besten Willen nicht vorstellen kann. Und so füttert man leider immer mehr die negative Seite - wie ein bösartiges Feuer in düsteren Farben, in das man immer neues Brennmaterial wirft.
Dann gibt es aber eben noch ein gutartiges Feuer, in dem unser innerstes Wesen, unsere Reinheit, unser Sein lebt. Und dieses ist per se gut und muss nicht optimiert werden. Es braucht einfach nur liebevolle Zuwendung, es möchte mit gutem Brennmaterial erhalten werden. Wenn wir also an uns glauben, unser Potenzial sehen (ganz ohne Verbissenheit und Vergleichen), nachsichtig sind und uns erlauben, eine Person mit Ecken und Kanten zu sein, kann das ein wahres Freudenfeuer werden! Genau das wünsche ich dir.
Du brauchst keine Auszeichnung im Außen. Du brauchst DICH. Du verrätst dich, wenn du gegen deine innersten Bedürfnisse, Regungen, Empfindungen arbeitest. Solange du glaubst, du seist eine Versagerin, nur weil du jetzt am Boden bist, wird sich wenig ändern. Es ist ganz wichtig, dass du dich selbst nicht noch mehr mit Füßen trittst. Das hast du nicht verdient.
Du kannst Ziele haben, du darfst ehrgeizig sein. Nur darfst du dich nicht verraten durch Dinge, die aus der Umwelt kommen oder von ungesunden Glaubenssätzen geformt wurden.

Ja, der Konsum von betäubenden Mitteln ist sehr häufig, wenn die Probleme übermächtig werden und die Verzweiflung groß ist. Doch du machst es damit nur auswegloser, wie du bestimmt schon erkannt hast. Deine Psyche leidet unter starkem Zigarettenkonsum, dein Körper natürlich auch. Du schaffst weitere Probleme. So auch mit den anderen Substanzen. Somit wäre es gut, wenn du versuchen würdest, den Konsum zu reduzieren und nach Möglichkeit auszuschleichen. Da das nicht so einfach ist, wenn er sich schon zur Gewohnheit bzw. Sucht entwickelt hat, wäre Profi-Unterstützung super.

Das ist der nächste große Punkt: Du bist zwar sehr skeptisch und hast das Gefühl, keine therapeutische Unterstützung bekommen zu können. Es steht und fällt alles mit der richtigen Person - nicht jede:r Therapeut:in passt zu allen!
Ich würde lügen, wenn ich von einer rosigen Versorgungslage in Deutschland sprechen würde. Dennoch gibt es Möglichkeiten. Falls du es ambulant versuchen möchtest, empfehle ich dir diese Lektüre: https://www.die-inkognito-philosophin.de/blog/kein-therapieplatz
Ergänzend zu diesem Link möchte ich auch auf Heilpraktiker:innen für Psychotherapie hinweisen.
Bei deiner Darlegung gehe ich allerdings davon aus, dass sich ein Klinikaufenthalt deutlich mehr lohnen würde. Du kannst dich selbst einweisen lassen. Vielleicht würde es auch deinem Freund helfen, sich klinisch begleiten zu lassen, falls ihm gerade alles über den Kopf wächst. Ich sehe da für euch beide große Chancen. Es gibt z.B. Tageskliniken und vollstationäre Aufenthalte.
Dazu habe ich folgende Links für dich:
- https://klinikradar.de/psychiatrie/kliniken/
- https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/klinikadressen
- https://www.klinikkompass.com/kliniken-fuer-depression/

Egal für welches Angebot du dich entscheidest: Es ist sehr zielführend, wenn du möglichst konkret gleich am Anfang benennst, was du dir erhoffst und was du brauchst. Dazu kann z.B. gehören, dass du erzählst, dass es dir in früheren Therapien zu sehr um die Essstörung gegangen ist.

Als weitere Möglichkeit bzw. als Ergänzung sind Selbsthilfegruppen zu sehen. Hier kannst du in deiner Nähe suchen: https://www.bapk.de/angebote/selbsthilfenetz-psychiatrie/suche-selbsthilfegruppen-deutschland-text.html

Und dann sind da noch Menschen, denen du bestimmt nicht egal bist. Du solltest probieren, auf deine Freund:innen zuzugehen, mit denen du eigentlich gerne reden möchtest. Dir mal alles von der Seele reden! Sie können wir vielleicht sogar helfen, eine geeignete Psychiatrie zu finden oder dich bei der Therapieplatzsuche unterstützen.
Die echten Freund:innen bleiben, auch wenn es hart wird. Ich kann nicht beurteilen, wie es da bei dir aussieht. Sich aber einfach zu isolieren macht alles nur schlimmer. Fühle einmal in dich hinein, mit wem du dich am meisten verbunden fühlst und suche den Kontakt. Und sei es, dass ihr zusammen draußen in ruhiger Umgebung spazieren geht. Ich würde dir sowieso empfehlen, möglichst oft raus zu gehen, vor allem in die Natur.

Abschließend möchte ich dir sagen, dass du dich über die Zeit hinweg selbst verwirklichen kannst, wenn du auf dein Inneres hörst. Nicht die Außenwelt bestimmt dich, sondern allein du selbst! Du kannst ein zufriedenes selbstbestimmtes Leben führen, in dem dich Höhen und Tiefen nicht komplett aus deiner Mitte reißen. Viele andere Menschen haben diese Erfahrung gemacht. Sie mussten oft erst ganz unten ankommen, um sich dann aufzuschwingen und gemäß ihrer echten Natur neu zu erwachen. Ohne Drogen als Verdrängungsmittel, ohne Exzess, Leistungsdruck, Negativität. Es ist harte Arbeit, doch mit den richtigen Leuten an deiner Seite kann es nach und nach in die Richtung gehen, die zu dir gehört. Es wird dann immer ein bisschen einfacher, du wirst viel lernen und dir selbst helfen können, wenn ein neues Down kommt.
Wir können das Dunkle ja nicht ausschließen. Es gehört notwendigerweise zum Licht dazu. Wir alle haben Schattenseiten. Diese sollten wir auch kennen und annehmen! Sie wegzuschieben bringt nichts, dann kommen sie umso ärger zurück. Licht und Schatten gehören also zusammen. Aber wir entscheiden, welcher Seite wir grundsätzlich unsere Aufmerksamkeit schenken, ob wir uns runtermachen oder uns liebhaben.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und ganz viel Liebe,
Nuala