Problem von Andrea (31 Jahre)

Für alle, die andere Menschen nicht mehr verletzen wollen und eine Beziehung führen möchten

Liebes Kummerkasten-Team,

ich würde gerne ein paar Zeilen zu Mike (31) "alles kaputt denken" sagen.

Das Problem, dass Mike dort schildert, nennt man "aktive Bindungsangst". Bindungsangst äußert sich bei den Menschen in unterschiedlicher Weise. Es gibt die "aktive Bindungsangst", bei der der Betroffene (aktive Vermeider) den Partner nicht an sich heran läßt, die Beziehung nicht vertieft - aus Angst vor Nähe und Verletzungen etc. Meistens haben die aktiven Vermeider so hohe Wunschvorstellungen von ihren Partnern oder wie ihre Beziehung zu laufen hat, die von realen Menschen unmöglich sind, zu realisieren. Deshalb findet der aktive Vermeider auch immer irgendetwas negatives an seinem Partner - auch wenn es ein liebenswerter, durchaus attraktiver Mensch ist, mit dem er sich blendend versteht - um die Beziehung oder auch nur die Anfänge einer Beziehung abzubrechen. Er glaubt, wenn solche Zweifel aufkommen, kann es nicht der/die Richtige sein. Es wird aber nie der/die Richtige kommen, weil der aktive Vermeider sich nicht festlegen kann und es immer Menschen gibt, die andere Vorzüge haben, die in dem Fall für ihn interessanter sind. Nicht selten stellt er nach dem Ende der Beziehung fest, dass ihm die Eigenschaften des alten Partners bei dem Neuen fehlen. In jedem Fall verletzt der aktive Vermeider leider oft Menschen, die total verwirrt und am Boden zerstört von ihm zurückgelassen werden und die Welt nicht mehr verstehen. In den meisten Fällen fühlt sich der aktive Vermeider dabei auch noch schlecht, weil er den Menschen ja wirklich gerne hat, aber er weiß sich nicht anders zu helfen, als aus der Situation auszubrechen und das oft auf unschöne Art und Weise wie z. B. schon einen neuen Partner bzw. Tröster zu haben und den anderen in mit seinem Schmerz zurück zu lassen. Der aktive Vermeider kann in diesem Moment nicht anders handeln, da er es nicht besser weiß und mit der Situation überfordert ist.

Dann gibt es noch die Rolle des "passiven Vermeiders", der sich grundsätzlich Beziehungsunfähige oder nicht erreichbare Menschen (verheiratete oder in anderen Städten lebende Menschen) verliebt und damit unterbewusst seine eigene Bindungsangst vertuscht. Er versteckt sich hinter der Aussage, der Andere wollte mich ja nicht und leidet oft sehr lange unter Trennungen.

Grundsätzlich ist es so, dass die Rollen gewechselt werden. Ein aktiver Vermeider kann durchaus in der nächsten Beziehung den passiven Vermeider übernehmen, weil der neue Partner noch größere Bindungsängste, als er hat.
Das kann sogar innerhalb einer Beziehung vorkommen.

Es ist jedenfalls ein sehr komplexes Problem, dass sich nicht einfach von selbst löst, wenn der richtige Partner kommt. Jeder, der Probleme hat sich zu binden oder immer wieder an Partner gerät, die sich nicht binden wollen und jeder, der anderen Menschen nicht mehr mit seinem Verhalten verletzen, Freundschaften kaputt schlagen und als der gemeine Hund da stehen möchte, sollte sich dem Problem stellen.

Diese beiden Bücher solltet ihr auf jeden Fall lesen, um euch ein Bild von dieser "Krankheit" zu machen. Eine Therapie ist auch sehr hilfreich.

Steven Carter und Julia Sokol "Nah und doch so fern"
- erklärt die Verhaltensweisen der aktiven/passiven Vermeider und gibt Ratschläge, wie man sich verhalten soll um andere nicht zu verletzen und selber nicht verletzt zu werden.

Steven Carter und Julia Sokol "Lauf nicht vor der Liebe weg"
- versucht Wege aufzuzeigen, wie man sein Verhalten langfristig ändern kann, um sich auf eine gesunde Beziehung einzulassen.


Es bedeutet allerdings harte Arbeit, sich zu ändern. Aber es lohnt sich!

PS. Bloss weil man schon Beziehungen geführt hat, ist man noch lange nicht Beziehungsfähig!

Viel Glück

Anwort von Sabine

Hallo Andrea!

Wir danken für Deine Informationen und Hinweise. Ich denke es wird einige Leser bestimmt interessieren.


Lieben Gruß